Eine Hausratversicherung bietet für wenig Geld einen leistungsstarken und umfänglichen Versicherungsschutz für den Hausrat. Doch nicht immer genügt der Leistungsumfang, man ist mit dem aktuellen Versicherungsunternehmen nicht zufrieden oder aber bei einer anderen Versicherung erhält man einen umfassenderen Versicherungsschutz. Möchte man nun seinen Vertrag mit seiner Versicherung kündigen, so sollte der Schritt wohlüberlegt sein, denn die Kündigung einer solchen Police birgt mitunter einige Stolpersteine. Damit der künftigen Vertragskündigung nichts mehr im Wege steht und Du bestens beraten bist, soll es heute vorzugsweise um das Thema Kündigung und Kündigungsfristen gehen. Grundsätzlich gilt hierbei: Kündigungsfrist ist nicht gleich Kündigungsfrist.

Das hat den Grund, dass bei der Kündigung von Hausratversicherungsverträgen allgemein zwischen der sogenannten ordentlichen und außerordentlichen Kündigung unterschieden wird. Während  bei einer ordentlichen Kündigung allein das Ende der Laufzeit maßgeblich ist, liegt einer außerordentlichen Kündigung immer ein besonderes Ereignis zugrunde, welches die Kündigung ermöglicht.

So kündigst Du deine bestehende Hausratversicherung

Bei der Kündigung unterscheidet man wie bereits erwähnt zwischen zweierlei Vorgängen. Erste ist die häufigste Form der Beendigung des Vertragsverhältnisses zwischen Versicherer und Versicherung und beherbergt kaum Hindernisse oder Irrwegen. Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass Hausratpolicen in der Regel zwischen einem und drei Jahren laufen. Die Jahresverträge können durch den Kunden drei Monate vor dem Versicherungsende schriftlich gekündigt werden. Ein Grund für die Entscheidung muss nicht angegeben werden. Unterbleibt die Kündigung, verlängert sich der Kontrakt automatisch um ein weiteres Jahr, zu den gleichen Kündigungsbedingungen. Die Versicherung geht in einem solchen Fall von einem stillschweigenden Einverständnis des Versicherten aus.

Für die sogn. Zahn-Jahresverträge (Drei-Jahresverträge) gilt die gleiche Kündigungsfrist wie oben. Grundsätzlich empfiehlt sich das Kündigungsschreiben per Einschreiben mit Rückschein an die Versicherungsgesellschaft zu schicken. Mit dem Rückschein bestätigt das Unternehmen den Erhalt des Briefes und der Kunde hat bei Komplikationen im Zusammenhang mit seiner Kündigung den entsprechenden Nachweis zur Hand.

Hinweise:

a) Oft entsteht hierbei zwischen den Vertragspartnern ein Streitpunkt. Bei Vertragsabschluss hat man als Versichernder mit der Unterschrift unter dem Vertrag (bei Nicht-Online-Geschäften auch in einem gesonderten Protokoll) bestätigt, dass man über Vertragslänge und Kündigungsfristen informiert wurde. Sämtliche Schriftwechsel und Unterlagen zur Versicherung sollten also sorgfältig – auch zeitweilig noch nach Vertragskündigung – aufbewahrt werden.

b) Es gibt neben den zuvor aufgezeigten Laufzeiten, auch solche Vertragslaufzeiten, nach deren Bedingungn es möglich ist mit 4 Wochen zum Monatsende den Vertrag zu kündigen. (Solche Policen erheben dann aber einen höheren mtl. Versicherungsbetrag ein.)

c) In jedem Fall aber empfiehlt es sich vor der Kündigung in die Vertragsunterlagen zu schauen. Dort ist die Kündigungsfrist mit Deiner Versicherung explizit angeführt.

Bezogen auf einen Standart-Jahresvertrag sollte die Versicherung immer drei Monate vor Jahresende und somit spätestens zum 30.09. eines Jahres erfolgen. Damit ist im Normalfall eine fristgerechte Kündigung zum neuen Jahr gewährleistet. Darüber hinaus hat man als Kunde bei jedem abgeschlossenen Vertrag ein Sonderkündigungsrecht – unabhängig von den vereinbarten Vertragsvereinbarungen.

Versicherung außerordentlich kündigen

Der ordentlichen Kündigung steht eine außerordentliche Kündigung gegenüber. Diese kann nicht ausgeschlossen werden. Auf diese Weise muss sich der Versicherte hier nicht an eine vertragliche Kündigungsfrist (wie oben gezeigt) halten. Die außerordentliche Kündigung greift insbesondere bei: Verstorbenen, Unfällen, Umzug und Wohnsitz wird nachweisbar ins Ausland verlegt. Dazu hier eine kurze Übersicht zu solchen benannten Ausnahmeregelungen:

Bei BeitragserhöhungWird die Versicherung teurer, können Versicherte kündigen. Eine Ausnahme besteht, wenn die Versicherung die Prämien aufgrund allgemein gestiegener Lebenshaltungskosten anpasst. Dann können Versicherte lediglich widersprechen. Ihr Beitrag wird daraufhin nicht erhöht. Sie müssen allerdings mit einer Unterversicherung rechnen. Ist diese Ausnahme ausgeschlossen, bekommt der Versicherte nach der Kündigung zuviel bezahlte Beiträge anteilig erstattet. Hat der Kunde zum Beispiel seine Prämie ein Jahr im Voraus bezahlt und kündigt vier Monate vor Jahresende wegen einer Beitragserhöhung, erhält er die Beiträge für die Monate September bis einschließlich Dezember zurück.

Bei Altverträgen sind Besonderheiten zu beachten:
Vor dem 1. Januar 1991 abgeschlossene Verträge zur Hausratversicherung können nur gekündigt werden, wenn der Beitrag um mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr oder um mehr als 20 Prozent in den letzten drei Jahren erhöht wurde. Bei Vertragsabschluss zwischen dem 1. Januar 1991 und dem 28. Juli 1994 ist eine Kündigung nur möglich, wenn die Erhöhung mehr als fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr oder mehr als 25 Prozent gegenüber dem Beitrag im ersten Versicherungsjahr beträgt. Innerhalb eines Monats nach der Ankündigung de Beitragserhöhung muss die Kündigung dem Versicherer vorliegen.
Nach einem SchadenSie können die Hausratversicherung nach jedem Schadensfall binnen eines Monats kündigen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Versicherer den Schaden anerkannt und reguliert oder ausgeschlossen und die Zahlung abgelehnt hat. Kündigen Sie den Vertrag mit sofortiger Wirkung, erhalten Sie jedoch zu viel gezahlte Beiträge nicht zurück.

Beispiel: Sie haben für ein volles Versicherungsjahr Prämien bezahlt und kündigen bereits nach einem Schaden auf den 31. Januar. Dann endet der Versicherungsschutz zu diesem Datum, die Versicherung behält das bereits bezahlte Geld für die restlichen elf Monate ein. Wir raten daher, den Vertrag zu Hausratversicherung auch nach einem Schaden erst zum Ende des Versicherungsjahres zu kündigen. So haben Sie noch das volle Jahr Versicherungsschutz.
Bei PaarenZieht ein Paar zusammen und beide besitzen eine Hausratversicherung, ist eine überflüssig, da es nun nur noch einen gemeinsamen Hausrat gibt. Bei der Kündigung spielt die Höhe der Versicherungssumme eine Rolle. In der Regel kann der Vertrag mit einer Versicherungssumme unter 10.000 Euro aufgelöst werden. Liegen beide Policen darüber, kann der jüngere Vertrag gekündigt werden. Voraussetzung ist, dass die Versicherten ihren Versicherungen sofort nach dem Zusammenzug die neue Situation mitteilen.
Bei einem Umzug ins AuslandZieht der Versicherungsnehmer ins Ausland, ist sein Hausrat an der alten Adresse noch zwei Monate lang versichert. Denn es kommt vor, dass ein Umzug in Etappen durchgeführt wird und ein Teil des Hausrats auch nach dem offiziellen Wegzug noch in der alten Wohnung in Deutschland ist. Nach dieser Zeit endet der Versicherungsvertrag. Natürlich müssen Sie die Versicherung vorher umgehend über den Umzug in Kenntnis setzen. Zu viel gezahlte Beiträge erstattet die Assekuranz anteilig.
Bei einer DoppelversicherungDieser Fall kann beispielsweise entstehen, wenn ein Student seinen Hausrat im Wohnheim versichert, obwohl er über die Hausratpolice der Eltern noch mitversichert ist. Sobald er dies bemerkt, muss er der Versicherung Bescheid geben. Dann wird der jüngere Vertrag aufgehoben.
Beim Tod des VersichertenStirbt der Versicherungsnehmer und das Ableben wird der Versicherung mitgeteilt, endet die Police automatisch zwei Monate später. Es sei denn, einer der Erben übernimmt die Wohnung und nutzt sie wie der Verstorbene.

(Quelle: Übersicht der Gründe einer außerordentlichen Kündigung bei Check24.de)

Kündigung durch den Versicherer

Auch wenn wir vorzugsweise davon ausgehen die Versicherungspolice selbst zu kündigen, so kann eine Vertragsbeendigung der Hausratversicherung auch durch den Versicherer vorgenommen werden. Etwa durch:

  • Verletzung von gesetzlichen oder vertraglichen Obliegenheiten (Versicherungspflichten)
  • Verletzung von Anzeigepflichten (z.B. Gefahrenumstände, Änderung des Zahlungsweges oder Wohnortes)
  • Kündigungsrecht bei Fahrlässigkeit, arglistiger oder vorsätzlicher Täuschung (Einen dazu relevanten Beitrag haben wir bereits in der Vergangenheit veröffentlicht. Darin wurden die Konsequenzen eines Versicherungsbetruges herausgestellt.)

Bei einer vorzeitigen Hausratversicherung Kündigung steht dem Versicherer normalerweise der Beitrag nur anteilig zu, und zwar für den Zeitraum, in dem der Versicherungsschutz wirksam war. Sollte jedoch das Versicherungsinteresse nach dem Beginn der Hausratversicherung wegfallen, steht der Versicherung der Beitrag zu, den sie hätte beanspruchen können, wenn der Versicherungsschutz nur bis zu dem Zeitpunkt beantragt worden wäre, zu dem der Versicherer vom Wegfall des Interesses in Kenntnis gesetzt wurde.

Hilfestellung bei der Kündigung

Auch wenn diese Übersicht alle wichtigen Informationen zur Kündigung der Hausratversicherung aufgeführt hat, kann an der ein oder anderen Stelle ein Problem auftreten. Hilfreich ist in einem solchen Fall sich an die Rechtsberatung oder den eigenen Anwalt oder Dienstleister zu wenden. Bei Streitigkeiten mit der Versicherung findest Du dort in jedem Fall eine entsprechende Beratung.

Wir als Hausratversicherung-Ratgeber bieten eine solche Hilfestellung nicht an, versuchen aber bei generellen Fragen eine Antwort geben zu können. Sollten bisher keine Fragen dazu aufgetreten sein, so haben wir für die schnelle Abwicklung deiner Kündigung ein Kündigungs-Formular der Hausratversicherung erstellt. Dieses Formular kannst Du hier herunterladen. (Dort findest Du auch eine Erklärungshilfe, falls Dir beim Ausfüllen etwas unklar erscheint.)

Titelbild:

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